SOA: Nach dem Hype ist vor dem Hype

Es gibt Entwicklungen, die erleben nach einem unglaublichen Hype eine ebenso atemberaubende Verabschiedung in die Versenkung.  Beim Thema SOA verhält es sich umgekehrt. Nach einem von Anbietern, Analysten und Beratern angefachten Hype, der von vielen potenziellen Anwendern vorsichtig, misstrauisch und abwartend beobachtet wurde, werden nun die realen Projekte in immer größerer Zahl und Geschwindigkeit angepackt. Jetzt beginnt der Hype in den Umsetzungen. 10 Prozent der deutschen Unternehmen haben bereits Erfahrungen mit SOA gesammelt, weitere 50 Prozent planen eine Realisation in nächster Zeit.

SOA bietet den Unternehmen unschätzbare Vorteile, die sich in den Schlagworten Standardisierung, Konsolidierung, Kostenersparnis, Agilität und Flexibilität zusammenfassen lassen. Außerdem ist es das erste Architekturmodell überhaupt, das bestehende (Alt)Systeme als integralen Bestandteil eines neuen Systems betrachtet.  Die bereits etablierten und bewährten IT-Assets müssen also nicht über Bord geworden werden, sondern werden einfach gekapselt und über definierte Serviceschnittstellen in das neue Modell integriert.

Web-Services sind ein wichtiger Bestandteil von SOA. Wer aber behauptet, er würde SOA in seinem Unternehmen einsetzen, aber lediglich einige Web-Services verwaltet, der macht sich selbst etwas vor. SOA richtig eingeführt, bedeutet einen kompletten Umbau der Organisation in einem Unternehmen. Nicht umsonst wirken die Modelle der Berater und Integratoren so kompliziert und umfangreich. Und so liegen die größten Kosteneinsparmöglichkeiten nicht auf der technischen Infrastrukturebene, sondern überwiegend auf der betriebswirtschaftlichen Seite.

Das Gesamtkonzept SOA wird leider immer noch häufig auf eine reine IT-Plattform reduziert. Dabei geht eine SOA deutlich darüber hinaus und lässt die rein technische Dimension weit hinter sich. Das Ziel, das am Ende des Prozesses steht, ist ein Paradigmenwechsel bei der Zusammensetzung der Geschäftsprozesse hin zum abteilungs- und unternehmensübergreifenden Denken.

Die Unternehmen können vergleichsweise einfach in den Paradigmenwechsel in Richtung SOA einsteigen. Die neu gewonnene Freiheit und Flexibilität nimmt die Anwender aber verstärkt in die Pflicht.  Wurde bisher die Businesslogik fest in die Applikationen programmiert, muss er sich nun selbst intensiv mit den eigenen Prozessen und Services auseinandersetzen.  Eine permanente Optimierung und Anpassung der Geschäftsprozesse verlangt ein regelmäßiges In-Frage-Stellen der eigenen Arbeit. Ein neuer Hype?  Herzlichst, Ihr, Albert F. Absmeier

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